Der Schauspieler Michael Mendl in der Faszination-Regenwald-Dokumentation „Mein Leben am seidenen Faden“ (2003)

auf den ersten Blick stellt sich die Frage, wozu es eines Vereins zur Erforschung und zum Schutz tropischer Regenwälder in Günzburg und einer Initiative zur Rettung von Orang-Utans in Ulm bedarf.

Der tropische Regenwald ist tausende Kilometer von uns ent-fernt und angesichts der großen sozialen Probleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, mag mancher sich fragen, ob er nicht besser beraten wäre, sein Engagement auf das nahe Umfeld bzw. auf die Linderung der Not vieler Menschen zu beschränken.

Für mich, den Initiator des Vereins, heißt die Antwort:

Wir müssen beides tun.

Sich für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einzu-setzen, bedeutet Menschen- und Naturschutz in gleichem Maße. Das Überleben aller Menschen wird davon abhängig sein, ob es gelingen wird, den Naturhaushalt einigermaßen stabil zu halten. Wer sich vor Augen führt, dass 20 % der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aus der Brandrodung der tropischen Regenwälder stammen, sieht, wie eng Klima- und Regenwaldschutz zusammenhängen.

Aus diesem Grund heißt Regenwaldschutz auch Menschenschutz. Für viele Menschen bedeutet die Vernichtung der tropischen Regenwälder Armut und Hunger.

Die Lebensgrundlage vieler Menschen in den Tropen hängt von einem intakten Regenwald ab. Aber auch wir, die im weit entfernten Europa leben, benötigen dessen Ökodienstleistungen für unser Überleben.

Ich durfte über Jahre hinweg das Privileg genießen, ungestörte tropische Regenwälder zu studieren und sehe die ethische Verpflichtung der Menschheit sich für den Erhalt dieses Ökosystems einzusetzen.


Der tropische Regenwald ist mit großem Abstand das arten-reichste Ökosystem unserer Erde. Der Verlust jeder Pflanzen-, Tier-, Pilz- oder Mikroorganismenart ist ein nicht wieder gut zu machender Schaden. Ist der Genpool einer Art erst einmal verschwunden, ist er durch keine Macht der Erde wieder zurück zu holen. Unabhängig davon, ob eine ausgestor-bene Tier- oder Pflanzenart den Wirkstoff für ein neues Medikament enthalten könnte, ist sie das einzigartige Ergebnis jenes Prozesses, der auch uns Menschen hervorbrachte: der Evolution.


Von diesen Gedanken geleitet, habe ich im Jahr 2001 die Gründung des gemeinnützigen Vereins Faszination Regenwald e.V. initiiert und im Jahr 2007 die Ulmer Initiative zur Rettung der Orang-Utans ins Leben gerufen, die ich Ihnen beide auf den folgenden Seiten näher vorstellen darf.


Mit freundlichen Grüßen


Ihr Bernhard Lohr

Sehr geehrte

Regenwald-Interessierte,

Die Orang-Utan-Dame Maja und ihr zwei Wochen alter Säugling Momo am Camp Meratus, Borneo (2006)

Blick vom Inselberg im Regenwald von Französisch-Guayana (2003)