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Pharmakologische Goldgrube Die Vielfalt des Regenwaldes ist allerdings weit mehr als nur ein Zahlenspiel. Wenn man bedenkt, dass in 25 % der Produkte, die in unseren Apotheken verkauft werden, Rohstoffe aus den tropischen Regenwäldern stecken, dann wird die Bedeutung der vielen noch unentdeckten Tier- und Pflanzenarten deutlich. Die Natur ist laut einer aktuellen UNO-Studie eine medizinische Schatzkammer und der weltbekannte amerikanische Biologe E.O Wilson bezeichnet die Regenwälder als eine pharmakologische Goldgrube. Gemäß der UNO ist jede fünfte Pflanze eine Heilpflanze. Froschgifte, die das Herz stärken, Ginko-Extrakte gegen Gedächtnisverluste, Schneckensubstanzen, die das Gehirn stützen, Inhaltsstoffe aus dem Pflänzchen „Madagaskar Immergrün“ als überaus wirksame Substanz gegen eine bestimmte Form der Leukämie oder Stoffe aus der mexikanischen Yamswurzel, die für die erste Antibabypille genutzt worden sind, sind nur wenige Beispiele, die die Bezeichnung „pharmakologische Goldgrube“ für die tropischen Regenwälder rechtfertigen. „Die biologische Vielfalt, das kunstvolle Netzwerk der Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume, stützt alles Leben auf dieser Erde. Ihr fortschreitender Verlust bedroht auch unsere Zukunft“, urteilt der Bund Naturschutz (Natur & Umwelt 1/2010). Grüne Klimaanlage Die riesigen Waldbestände Amazoniens sind aber auch von entscheidender Bedeutung für das globale Klima und deshalb bezeichnet der ehemalige brasilianische Umweltminister und Träger des alternativen Nobelpreises, José Lutzenberger, den Regenwald auch als die „Grüne Klimaanlage“ unseres Planeten. Die Regenwälder dienen mit ihrem riesigen Blättermeer als Wasserspeicher, vor allem aber auch als Kohlenstoffspeicher. Zudem muss klar werden, dass ein Fünftel aller von uns Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen durch die Brandrodung der tropischen Regenwälder entsteht. Indonesien gilt allein aufgrund seiner Brandrodungen als drittgrößter CO2-Emissonär der Welt, nach den USA und China. Dabei ist Indonesien wohlgemerkt kein Industrieland. Also haben Verkehr und Industrie beim CO2- Ausstoß im Vergleich zur Brandrodung der Regenwälder eine nahezu vernachlässigbare Rolle. Bei einer Emission von 2,5 Mrd T CO2 durch die Brandrodung der tropischen Regenwälder und einem angenommenen Schaden von 20 $ pro Tonne CO2 ergibt sich ein jährlicher Klimaschaden von 50 Mrd Dollar. Mit einem Bruchteil dieser Mittel könnte man riesige Flächen an Regenwäldern schützen und so nicht nur das globale Artensterben aufhalten, sondern auch den Klimawandel effektiv eindämmen. Regenwaldschutz ist deshalb die effektivste Klimaschutzmaßnahme.