Menschheit vernichtet Unwiederbringliches

Menschheit vernichtet Unwiederbringliches

TAG DER TROPENWÄLDER

13.09.2020

Günzburger Verein und Schauspieler kämpfen unermüdlich gegen Zerstörung des Urwalds

Seit 1989 wird am 14. September auf die Zerstörung der Tropenwälder hingewiesen. Das tut ein Günzburger Verein ständig. Was Bernhard Lohr und Schauspieler Mendl sagen.

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Guenzburger-Verein-und-Schauspieler-kaempfen-unermuedlich-gegen-Zerstoerung-des-Urwalds-id58117556.html

Regenwald steht weiter in Flammen

Regenwald steht weiter in Flammen

 

Trotz Verbot von BrandrodungenFeuer im Amazonas-Regenwald wüten weiter

Tausend registrierte Brände allein in den letzten Tagen: Trotz des Verbots von Brandrodungen setzt sich der Raubbau an Brasiliens Regenwald fort. Auch in anderen Ländern im Amazonasbecken herrscht Alarmstimmung.
Illegales Feuer im Regenwald des brasilianischen Bundesstaats Pará
Illegales Feuer im Regenwald des brasilianischen Bundesstaats ParáFoto: CARL DE SOUZA / AFP

Endlich Recht behalten?

„Mehr als 500 Landwirbeltiere akut bedroht“ und „Umweltschützer beklagen massiven Urwaldverlust“, das waren die zwei Schlagzeilen, die mir bei meinem täglichen morgendlichen Ritual, dem Durchforsten der Spiegel-online-Schlagzeilen, am 03. Juni 2020 ins Auge gesprungen sind. Am selben Tag verlieh die Bild-Zeitung dem tropischen Regenwald den Titel des „Verlierer des Tages“. Wenige Tage zuvor hatte ich am Bahnhofs-Kiosk die Ausgabe von National Geographic gekauft, die auf ihrer Titelseite ein Potpourri an unterschiedlichen Insekten zeigt und in einer großen Schlagzeile feststellt: „Wir werden sie vermissen, wenn sie alle gegangen sind“.  Wenn es nicht viel zu traurig wäre, könnte sich in mir der Gedanke hochschleichen: Endlich wird das wahrgenommen, was du seit vielen Jahren in Vorträgen, Filmen und Veranstaltungen immer wieder versuchst deutlich zu machen, nämlich dass mit dem durch uns Menschen verursachten globalen 6. Massensterben von Tier- und Pflanzenarten das verspielt wird, was unsere kleine Erde so einzigartig macht. Und diese Einzigartigkeit ist nun mal die Vielfalt des Lebens!

Seit knapp 20 Jahren setze ich mich gemeinsam mit meinen Vorstandskolleg*innen Birgit Fahr und Kurt Schweizer in unserem Verein Faszination Regenwald e.V. für den Erhalt des tropischen Regenwaldes ein. Mit dem bekannten deutschen Schauspieler Michael Mendl habe ich zwei Regenwald-Filme gedreht, einzig mit dem gemeinsamen Ziel zu veranschaulichen, dass mit der Vernichtung der tropischen Regenwälder ein wahnsinniger Verlust an Artenvielfalt einhergeht!

Wieso aber die ganze Mühe? Birgit ist Lehrerin, Kurt Personalmanager, Michael Schauspieler und ich Arzt. Wir verdienen unsere Brötchen mit oder ohne Regenwald, könnte man meinen. Was uns eint, ist der Gedanke, dass die Menschheit derzeit Unwiederbringliches vernichtet. Unwiederbringliches, dessen Entwicklung Jahrmilliarden gedauert hat. Der Verlust ist nie wiedergutzumachen. Eine einmal ausgestorbene Art kann durch keine Macht des Universums wieder zurückgeholt werden.

Kurzum, die Schlagzeilen des 03.06.2020 stimmen uns sehr traurig, weil wir seit 20 Jahren auf die Dramatik des Artenverlusts hinweisen.

Wir wollten nicht Recht behalten!

Bernhard Lohr (ebenfalls im Namen von Michael Mendl, Birgit Fahr und Kurt Schweizer)

 

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/brasilien-am-staerksten-betroffen-umweltschuetzer-beklagen-urwaldverlust-a-bd5b20c0-4917-45c8-91d3-ba4138465cc9

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/biodiversitaet-mehr-als-500-landwirbeltier-arten-akut-bedroht-a-bb7208db-3dcf-4cb3-b8d8-e0ee40343484

https://magazin.spiegel.de/SP/2020/22/171037358/index.html

Kurzfilm „Lektion der Unvernunft“ über eine Reise zu den Orang-Utans Borneos.

Ein Baum der fällt macht mehr Lärm als einer ganzer Wald der wächst„. Mit dieser tibetanischen Weisheit beginnt der Film „Lektion der Unvernuft“ des Chirurgen Dr. Uwe Jordan über eine Reise zu den Orang-Utans Borneos. Der 15-minütige Film endet mit den nachdenklichen Worten seines Kollegen Dr. Thomas Hardtmuth: „Wir brauchen heute einmal eine Denkweise, die hinausreicht über unseren eigenen Tellerrand“.  Die beiden Oberärzte für Chirurgie haben ihre Erlebnisse und Impressionen einer gemeinsamen Borneo Reise in einem eindrucksvollen 15-minütigen Filmdokument verarbeitet.
Was sind die tieferen Gründe für das Aussterben der Orang-Utans, wieso gibt es auf der Erde anscheinend nur Platz für die Art Homo sapiens und wenige seiner Kulturpflanzen in riesigen Monokulturen und Milliarden an Zuchttiere in Massentierhaltung? Thomas Hardtmuth geht mit nachdenklichen Gedanken und Worten zu den Bildern von Uwe Jordan den Ursachen für die anhaltende Naturzerstörung auf den Grund.
Siehe Youtube Kanal Verein Faszination Regenwald:
Günzburger Zeitung zur zweiten Ausgabe von „Quo vadis – Leben“ am 28.09.2019

Günzburger Zeitung zur zweiten Ausgabe von „Quo vadis – Leben“ am 28.09.2019

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Klimawandel-Jeder-Einzelne-muss-sein-Verhalten-ueberpruefen-id55573621.html

Günzburg

30.09.2019

Klimawandel: Jeder Einzelne muss sein Verhalten überprüfen

Klimawandel und Artensterben schreiten rasant vor. Was muss getan werden, um den Planeten und damit die Menschheit zu retten? Darüber wurde bei einer Veranstaltung des Günzburger Vereins Faszination Regenwald diskutiert.
Bild: Greta Kaiser

Eine Expertenrunde in Günzburg warnt davor, dass der Menschheit nicht mehr viel Zeit bleibt, um in Sachen Klimaschutz umzusteuern.

Vergnüglich war der Abend nicht. Dafür lehrreich und aufrüttelnd. Ging es doch um die zentrale Frage dieser Tage: Wie kann die Menschheit angesichts von Klimawandel, Umweltzerstörung und Artensterben überleben? Und es ging um die Frage, was Politik, Gesellschaft und jeder Einzelne tun können und tun müssen, um auf der Erde zu retten, was noch zu retten ist. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Werde nicht Grundlegendes geändert, könnte es schon in wenigen Jahren zu spät sein. Noch könne umgesteuert werden. Zum Nulltarif und ohne Einschnitte aber sei das nicht zu haben. Das war das Fazit einer Expertenrunde, zu der am Samstagabend der Günzburger Verein Faszination Regenwald ins Wasserburger Sportheim geladen hatte.

„Wir stehen vor einem Artensterben unbekannten Ausmaßes“, erklärte eingangs der Vereinsvorsitzende, der Günzburger Arzt und Biologe Bernhard Lohr. „Verursacht nicht wie früher durch Naturkatastrophen, sondern durch den Menschen.“ An den Menschen liege es also, nicht zuletzt der „rücksichtslosen Plünderung der Ressourcen mit ihren vielfältigen Folgen“ Einhalt zu gebieten. Das aber sei nur möglich, wenn auch „unbequeme Wahrheiten“ zur Kenntnis genommen würden.

Wenn ein Ökosystem kippt, dann kippen auch andere

So etwas wie Symboltiere für das Artensterben sind Affen, Bären oder Nashörner. Auch sie sind Teil komplexer ökologischer Systeme. Mindestens ebenso wichtig sind kleinste Tiere in Wald und Flur, in Flüssen und Meeren. „Sie sind die Lebensgrundlagen“, erklärte Prof. Michael Schrödl von den Zoologischen Staatssammlungen in München. Gehe das schleichende Artensterben rund um den Globus im bisherigen Maße weiter, werde das auch für die Menschen hierzulande gravierende Folgen haben – in Form von anhaltenden Hitze- und Dürreperioden, Überschwemmungen und Stürmen. Der Artenforscher: „Kippt ein Ökosystem, kippen auch andere.“

In Bayern leben nach Angaben Schrödls mindestens 40 000 Tierarten. 30 bis 40 Prozent seien akut gefährdet oder kurz vor dem Aussterben. Verursacht nicht zuletzt durch die intensive Landwirtschaft und eine ebensolche Forstwirtschaft. Weltweit sind etwa 1,5 Millionen Tierarten bekannt, vermutlich gebe es um die 100 Millionen. „Sie werden aussterben, noch ehe sie bekannt oder erforscht sind“, betonte Schrödl. Vor allem in den Regenwäldern, die zugunsten billigen Fleisches oder des Palmöls immer stärker gerodet werden.

Das von der Bundesregierung verabschiedete Klima-Paket reiche „hinten und vorne“ nicht. Es müsse deutlich mehr geschehen. Und jeder müsse sein Konsumverhalten überprüfen: weniger Fleisch, weniger fliegen, weniger Auto fahren und weniger Plastik. Bei alldem gehe es längst nicht mehr um die Lebensgrundlagen der Enkel oder noch späterer Generationen. Es gehe um das Hier und Heute.

Lehrerin Verena Brunschweiger erntete für ihr Buch heftige Kritik

Heftige Reaktionen hatte die promovierte Lehrerin Verena Brunschweiger mit ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ ausgelöst. Der Verzicht auf (viele) Kinder sei der „größtmögliche individuelle Beitrag“ zur Rettung des „im Sterben liegenden Planeten“, erklärte sie. In den Entwicklungsländern müsse der Zugang zu Verhütungsmitteln verbessert werden. Tatsache aber sei, dass ein deutsches oder europäisches Kind das 30-fache eines afrikanischen Kindes verbrauche. Bei der Familienplanung sei sehr wohl die Frage zu stellen: In welcher Welt werden die Kinder leben?

Benni Over sitzt im Rollstuhl. Er leidet an Muskelschwund, hatte vor Jahren einen Herzstillstand, er braucht ein Beatmungsgerät und das Sprechen fällt ihm schwer. Der 29-Jährige hätte also andere Probleme, als sich um den Schutz der Orang-Utans auf Borneo zu kümmern. Doch genau das tut er zusammen mit seinen Eltern.

Benni Over engagiert sich für Orang-Utans auf Borneo

Vater Klaus Over berichtete, dass aus der ersten Faszination für die Waldmenschen genannten Affen längst ein umfassendes Naturschutzprojekt mit Büchern, Filmen und bis zu 40 Veranstaltungen pro Jahr an Schulen, Universitäten und anderen Einrichtungen geworden ist. Je mehr er über die dramatische Lage des Planeten wisse, desto häufiger denke er: „Was machen wir für eine Scheiße?“

Die von Bernhard Lohr und Birgit Fahr moderierte Diskussion endete mit einem versöhnlichen Ausblick. Kinder und Jugendliche seien mit ihrem erkennbar veränderten Bewusstsein die Hoffnung, erklärte Michael Schrödl. Es müsse gelingen, etwa „Fridays for Future“ zur Massenbewegung zu machen. „Dann ist noch was zu retten.“