Kurzfilm „Lektion der Unvernunft“ über eine Reise zu den Orang-Utans Borneos.

Ein Baum der fällt macht mehr Lärm als einer ganzer Wald der wächst„. Mit dieser tibetanischen Weisheit beginnt der Film „Lektion der Unvernuft“ des Chirurgen Dr. Uwe Jordan über eine Reise zu den Orang-Utans Borneos. Der 15-minütige Film endet mit den nachdenklichen Worten seines Kollegen Dr. Thomas Hardtmuth: „Wir brauchen heute einmal eine Denkweise, die hinausreicht über unseren eigenen Tellerrand“.  Die beiden Oberärzte für Chirurgie haben ihre Erlebnisse und Impressionen einer gemeinsamen Borneo Reise in einem eindrucksvollen 15-minütigen Filmdokument verarbeitet.
Was sind die tieferen Gründe für das Aussterben der Orang-Utans, wieso gibt es auf der Erde anscheinend nur Platz für die Art Homo sapiens und wenige seiner Kulturpflanzen in riesigen Monokulturen und Milliarden an Zuchttiere in Massentierhaltung? Thomas Hardtmuth geht mit nachdenklichen Gedanken und Worten zu den Bildern von Uwe Jordan den Ursachen für die anhaltende Naturzerstörung auf den Grund.
Siehe Youtube Kanal Verein Faszination Regenwald:
Günzburger Zeitung zur zweiten Ausgabe von „Quo vadis – Leben“ am 28.09.2019

Günzburger Zeitung zur zweiten Ausgabe von „Quo vadis – Leben“ am 28.09.2019

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Klimawandel-Jeder-Einzelne-muss-sein-Verhalten-ueberpruefen-id55573621.html

Günzburg

30.09.2019

Klimawandel: Jeder Einzelne muss sein Verhalten überprüfen

Klimawandel und Artensterben schreiten rasant vor. Was muss getan werden, um den Planeten und damit die Menschheit zu retten? Darüber wurde bei einer Veranstaltung des Günzburger Vereins Faszination Regenwald diskutiert.
Bild: Greta Kaiser

Eine Expertenrunde in Günzburg warnt davor, dass der Menschheit nicht mehr viel Zeit bleibt, um in Sachen Klimaschutz umzusteuern.

Vergnüglich war der Abend nicht. Dafür lehrreich und aufrüttelnd. Ging es doch um die zentrale Frage dieser Tage: Wie kann die Menschheit angesichts von Klimawandel, Umweltzerstörung und Artensterben überleben? Und es ging um die Frage, was Politik, Gesellschaft und jeder Einzelne tun können und tun müssen, um auf der Erde zu retten, was noch zu retten ist. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Werde nicht Grundlegendes geändert, könnte es schon in wenigen Jahren zu spät sein. Noch könne umgesteuert werden. Zum Nulltarif und ohne Einschnitte aber sei das nicht zu haben. Das war das Fazit einer Expertenrunde, zu der am Samstagabend der Günzburger Verein Faszination Regenwald ins Wasserburger Sportheim geladen hatte.

„Wir stehen vor einem Artensterben unbekannten Ausmaßes“, erklärte eingangs der Vereinsvorsitzende, der Günzburger Arzt und Biologe Bernhard Lohr. „Verursacht nicht wie früher durch Naturkatastrophen, sondern durch den Menschen.“ An den Menschen liege es also, nicht zuletzt der „rücksichtslosen Plünderung der Ressourcen mit ihren vielfältigen Folgen“ Einhalt zu gebieten. Das aber sei nur möglich, wenn auch „unbequeme Wahrheiten“ zur Kenntnis genommen würden.

Wenn ein Ökosystem kippt, dann kippen auch andere

So etwas wie Symboltiere für das Artensterben sind Affen, Bären oder Nashörner. Auch sie sind Teil komplexer ökologischer Systeme. Mindestens ebenso wichtig sind kleinste Tiere in Wald und Flur, in Flüssen und Meeren. „Sie sind die Lebensgrundlagen“, erklärte Prof. Michael Schrödl von den Zoologischen Staatssammlungen in München. Gehe das schleichende Artensterben rund um den Globus im bisherigen Maße weiter, werde das auch für die Menschen hierzulande gravierende Folgen haben – in Form von anhaltenden Hitze- und Dürreperioden, Überschwemmungen und Stürmen. Der Artenforscher: „Kippt ein Ökosystem, kippen auch andere.“

In Bayern leben nach Angaben Schrödls mindestens 40 000 Tierarten. 30 bis 40 Prozent seien akut gefährdet oder kurz vor dem Aussterben. Verursacht nicht zuletzt durch die intensive Landwirtschaft und eine ebensolche Forstwirtschaft. Weltweit sind etwa 1,5 Millionen Tierarten bekannt, vermutlich gebe es um die 100 Millionen. „Sie werden aussterben, noch ehe sie bekannt oder erforscht sind“, betonte Schrödl. Vor allem in den Regenwäldern, die zugunsten billigen Fleisches oder des Palmöls immer stärker gerodet werden.

Das von der Bundesregierung verabschiedete Klima-Paket reiche „hinten und vorne“ nicht. Es müsse deutlich mehr geschehen. Und jeder müsse sein Konsumverhalten überprüfen: weniger Fleisch, weniger fliegen, weniger Auto fahren und weniger Plastik. Bei alldem gehe es längst nicht mehr um die Lebensgrundlagen der Enkel oder noch späterer Generationen. Es gehe um das Hier und Heute.

Lehrerin Verena Brunschweiger erntete für ihr Buch heftige Kritik

Heftige Reaktionen hatte die promovierte Lehrerin Verena Brunschweiger mit ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ ausgelöst. Der Verzicht auf (viele) Kinder sei der „größtmögliche individuelle Beitrag“ zur Rettung des „im Sterben liegenden Planeten“, erklärte sie. In den Entwicklungsländern müsse der Zugang zu Verhütungsmitteln verbessert werden. Tatsache aber sei, dass ein deutsches oder europäisches Kind das 30-fache eines afrikanischen Kindes verbrauche. Bei der Familienplanung sei sehr wohl die Frage zu stellen: In welcher Welt werden die Kinder leben?

Benni Over sitzt im Rollstuhl. Er leidet an Muskelschwund, hatte vor Jahren einen Herzstillstand, er braucht ein Beatmungsgerät und das Sprechen fällt ihm schwer. Der 29-Jährige hätte also andere Probleme, als sich um den Schutz der Orang-Utans auf Borneo zu kümmern. Doch genau das tut er zusammen mit seinen Eltern.

Benni Over engagiert sich für Orang-Utans auf Borneo

Vater Klaus Over berichtete, dass aus der ersten Faszination für die Waldmenschen genannten Affen längst ein umfassendes Naturschutzprojekt mit Büchern, Filmen und bis zu 40 Veranstaltungen pro Jahr an Schulen, Universitäten und anderen Einrichtungen geworden ist. Je mehr er über die dramatische Lage des Planeten wisse, desto häufiger denke er: „Was machen wir für eine Scheiße?“

Die von Bernhard Lohr und Birgit Fahr moderierte Diskussion endete mit einem versöhnlichen Ausblick. Kinder und Jugendliche seien mit ihrem erkennbar veränderten Bewusstsein die Hoffnung, erklärte Michael Schrödl. Es müsse gelingen, etwa „Fridays for Future“ zur Massenbewegung zu machen. „Dann ist noch was zu retten.“

Stellungnahme zu den Waldbränden in Amazonien 2019

Stellungnahme zu den Waldbränden in Amazonien 2019

„Faszination Regenwald e.V.“ fordert ein komplettes Umdenken in der europäischen Agrarund
Energiepolitik zum Schutz des tropischen Regenwaldes!
Noch immer wird die Dramatik nicht erkannt. Sich auf die Löschung der Brände zu
beschränken und im Anschluss über Möglichkeiten zur Wiederaufforstung nachzudenken, wie
vor wenigen Tagen von der Bundeskanzlerin Angela, auf dem G7 Gipfel-Treffen in Biarritz
gefordert, ist bei Weitem nicht ausreichend.
Der erdballumspannende tropische Waldgürtel ist sehr viel mehr als ein riesiger
Kohlenstoffspeicher. Die Bedeutung des tropischen Regenwaldes übersteigt seine Funktion
als die grüne Lunge unserer Erde. Mit den derzeit stattfindenden gigantischen Waldbränden
in Amazonien werden nicht nur Milliarden an Tonnen CO2 freigesetzt und der Klimawandel
weiter angeheizt, sondern darüber hinaus wird die derzeitige globale Artenkrise aufs
Massivste verschärft. Ein Großteil der landgebundenen Artenvielfalt hat seinen Lebensraum
in den tropischen Regenwäldern. Man kennt heute 1,8 Millionen an unterschiedlichen Tier-,
Pflanzen-, Pilz- und Mikroorganismenarten. Die Wissenschaft geht davon aus, dass aber
insgesamt mehr als 30 Millionen an unterschiedlichen Arten auf der Erde vorkommen, die
meisten davon noch unentdeckt in den Kronen tropischer Urwaldriesen.
Mit der gigantischen Brandrodung der tropischen Regenwälder wird nicht nur das Ökosystem
Erde in Frage gestellt, das ohne tropische Regenwälder nicht funktioniert, es wird das sechste
große, vom Menschen verursachte, Artensterben in der Geschichte des Lebens auf ungeahnte
Weise weiter angeheizt.
Der Motor für die Zerstörung der globalen Regenwälder ist überall der gleiche: Erst werden
die wertvollen tropischen Urwaldriesen gefällt und als zweiter Schritt werden Brände gelegt,
um das Land von der restlichen Vegetation zu „befreien“. Derzeit allein in Amazonien ca.
82.000 Brände. Auf diesen so vorbereiteten Flächen werden Grassamen ausgebracht, damit
Rinder weiden können (allein in Brasilien über 215 Millionen) oder sie werden als Anbaufläche
von Soja verwendet. Soja wird als Viehfutter in der chinesischen Schweinezucht oder als
wertvolle Proteinquelle für die Millionen Tiere in Europas Ställen verwendet. Ohne
Sojaimporte aus den Tropen ist die europäische Massentierhaltung in den derzeitigen
Dimensionen nicht denkbar. Deshalb sind die Ansätze der deutschen Bundeskanzlerin und des
französischen Staatspräsidenten nur Pflaster auf akute Wunden. Wenn Europa es ernst
meinen würde mit einem Schutz der tropischen Regenwälder, müsste es seine
Exportorientierung und Massenproduktion in der Landwirtschaft zugunsten einer lokalen und
ökologisch orientierten Nahrungsmittelproduktion aufgeben.
Ähnliches gilt für die Energiepolitik. Hier werden Millionen Tonnen an Biodiesel aus tropischen
Ölpalmen eingesetzt. Die Ölpalme wird in riesigen Mengen v.a. in Malaysia und Indonesien
angebaut. Auf Flächen, die zuvor durch Brandrodung „gereinigt“ werden müssen. Europa
reduziert seine CO2 -Emissionen durch vermeintlichen „Biodiesel“ und dafür lösen sich an
anderer Stelle die Lebensräume von Millionen Tier- und Pflanzenarten in Rauch auf.
„Faszination Regenwald e.V.“ fordert deshalb eine radikale Änderung in der europäischen
Agrar- und Energiepolitik zum Schutze der letzten noch verbliebenen tropischen Regenwälder
mit ihrem unglaublichen Artenreichtum! Die grüne Lunge der Erde muss unter
„Denkmalschutz“ gestellt werden.

Günzburg im August 2019
Bernhard Lohr, Birgit Fahr, Kurt Schweizer (Vorstand Faszination Regenwald e.V.)

Günzburger Zeitung zu „Creating a good life for Orang-Utans“

Günzburger Zeitung zu „Creating a good life for Orang-Utans“

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Ein-Tierschuetzer-berichtet-wie-die-Heimat-der-Orang-Utans-brachial-zerstoert-wird-id55255986.html

Ein Tierschützer berichtet, wie die Heimat der Orang Utans „brachial zerstört“ wird

Ein Orang-Utan klettert zwischen Bäumen im Tanjung Puting National Park in Kalimantan auf Borneo. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden auf der Insel zur Gewinnung von Palmöl 70.000 Hektar Regenwald gerodet. Foto: Barbara Walton/EPA

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Der Lebensraum von Orang Utans wird immer weiter zerstört.
Bild: Barbara Walton/EPA (dpa)

Der Verein Faszination Regenwald hat einen bedeutenden Orang-Utan-Schützer nach Günzburg eingeladen. Warum die Tiere so leiden müssen und wie sie geschützt werden können.

Es bedurfte starker Nerven um zu ertragen, was da dem Publikum im Sportheim Wasserburg vor Augen geführt wurde. Einem Publikum, das „zum Regenwalderfahrendsten im weiten Umkreis gehört“, wie es Tropenbiologe und Vereinsvorsitzender Dr. Bernhard Lohr formulierte. Geladen hatte er zum Vortrag über das Thema „Creating a good life for Orang Utans“ einen hochkompetenten Gast.

Einen „wie es keinen Zweiten gibt“, nämlich den Gründer und Leiter der renommierten Orang-Utan-Schutzorganisation COP, Hardy Baktiantor, der auch an der momentan stattfindenden europäischen Weltklimakonferenz teilnimmt.

Regenwald wird für Palmöl gerodet

Weiter eingeladen war Helmut Huber, Vorsitzender des niederbayerischen Partnervereins „Fans for Nature“, der persönliche Erfahrungen über die bedrohliche Situation im Regenwald von Borneo beisteuern konnte. Mit drastischen Tatsachen über Zerstörung und Leid konfrontierte Lohr in seiner Vorrede die Zuhörer. Brachte, im Zusammenhang mit dem derzeitigen Flammeninferno in Brasilien, die 72000 Brände im Amazonasgebiet (eine Steigerung um 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr) zur Sprache, die 700000 Quadratkilometer Wald, die seit den 70er Jahren in Brasilien gerodet wurden, um Platz für Palmöl, Sojaindustrie und vierfach gesteigerten Rinderexport (allein im letzten Jahr 215 Millionen Tiere im Gegenwert von 6,5 Milliarden Dollar) zu schaffen.

Daneben noch die im Hintergrund betriebene Goldwäscherei im Amazonasgebiet mit rund 200000 illegalen Minen und Gruben. Neben der „brachialen Zerstörung ihres Lebensraumes“ droht, wie Helmut Huber berichtete, den vom Aussterben bedrohten Tierarten, wie dem Orang-Utan, eine weitere Gefahr: Wenn er sich, in seiner angestammten Region, auf die Suche nach Palmfrüchten macht, oder in bereits abgeholzten Teilen nachwachsende Triebe als Nahrung verwendet, kann er gejagt und getötet werden.

Dorfbewohner fangen die Affen ein und halten sie als Haustiere

Zudem fangen sich Dorfbewohner in der Nähe von Plantagen gerne junge Äffchen als Haustiere ein, oder gar als Kinderersatz. Für Profijäger ist es eine hochlukrative Einnahmequelle. Gelingt ihnen nämlich ein illegaler Export nach Europa, winken, so Huber, bis zu 40000 Euro als Lohn. Bei seiner letzten Reise traf er auf das Äffchenbaby Alois – verletzt, zerschunden, gefangen in einer engen Kiste, allein, ohne Mutter. (Lesen Sie über die Rettung eines Orang-Utan-Babys: Was dieses Orang-Utan-Baby mit Offingen verbindet ) Die wurde erbarmungslos getötet. „Emotionen sind in dem Job nicht unbedingt hilfreich“, so sein Kommentar. Er konnte das Baby an sich nehmen und im COP- Rettungszentrum vor dem sicheren Tod bewahren.

Die Zukunft der Orang-Utans, deren Erbgut zu über 97 Prozent dem Erbgut eines Menschen gleicht – deshalb der Name Waldmensch – , ist, erklärte Umweltaktivist Baktiantor, zum Großteil wegen Regenwaldabholzung für Palmöl höchst gefährdet. Deshalb sei seine Organisation bemüht, mit der Regierung zu einer gesetzlich geregelten Nachhaltigkeitsvereinbarung zu kommen.

Leichter gesagt als getan. Die allmächtige Palmölindustrie nämlich versuche vielfach, durch Finanzierungshilfen an Umweltschutzorganisationen eine „Schweigegeldlösung“ zu erreichen. Für ihn, so betonte Baktianor unmissverständlich, komme aber solch ein Abkommen nicht infrage. Er sei für die konstruktive Öffentlichmachung eines Umweltschutzprogrammes, mit dem großen Traum einer 53000 Hektarfläche Schutz- und Lebensraum.

In der „Waldschule“ werden verletzte Tiere gesund gepflegt

Einem Ort der Zuflucht, auch für seine „Waldschule“, in der eingelieferte Jungtiere auf eine Wiedereingliederung in den Urwald vorbereitet werden, für sein Rettungszentrum, in dem verletzte, verbrannte, versklavte oder verhungernde Menschenaffen gesund gepflegt werden können. Nicht immer gelingt dies.

Schockierende Bilder zeigen eine brutale Wirklichkeit, wie sie für den Betrachter nur schwer zu ertragen ist: erbarmungslos gejagte Wesen mit gebrochenen Gliedmaßen, abgehackten Fingern, klaffenden Kopfwunden, angeschossenen Körperteilen, ausgezehrter Unbarmherzigkeit. Ergebnis eines ökologischen Desasters, „ausgehend aus einer der reichsten Regionen auf dem Planeten“. Der Grund für das Leid und die Regenwaldrohdung – darin waren sich alle Beteiligten einig – ist, neben der Rinderzucht, vor allem die Produktion von Palmöl, das in enorm vielen Nahrungsmitteln, in Kerzen, Reinigungsmitteln, Kosmetik, auch in Biosprit enthalten ist. Genaugenommen in jedem zweiten Supermarktprodukt.

Die abschließende Diskussion mit den Zuhörern brachte es auf den Punkt: Orang-Utans würden für Palmöl sterben. Doch was können die Menschen tun? Die Meinungen waren so vielfältig wie die Möglichkeiten gering. Packungsinformation lesen: weniger im Supermarkt, dafür mehr frische Waren kaufen und sich in Umweltschutzorganisation engagieren.

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Quo vadis Leben?“ findet am Samstag, 28. September, im Sportheim Wasserburg statt. Es gibt eine Podiumsdiskussion zum Thema globales Artensterben. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Günzburger Zeitung zur ersten Ausgabe von „Quo vadis – Leben?“ am 08.10.2018

Günzburger Zeitung zur ersten Ausgabe von „Quo vadis – Leben?“ am 08.10.2018

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Sind-wir-eigentlich-noch-zu-retten-id52379261.html

Leipheim

08.10.2018

Sind wir eigentlich noch zu retten?

Politiker und Biologe Anton Hofreiter, Schauspieler Hannes Jaenicke und Naturschützer Helmut Huber diskutierten in Leipheim mit Maximilian Deisenhofer und Bernhard Lohr (von links) zum Thema „Quo vadis, Leben?“.
Bild: Rebekka Jakob

Hannes Jaenicke, Anton Hofreiter und Naturschützer Helmut Huber sprechen über das, was im Umgang des Menschen mit der Erde schief läuft.

Die spannendste Frage an diesem Abend im Leipheimer Waldvogel kam ganz zum Schluss aus dem Publikum. Angesichts all der Zerstörung auf dem Planeten, dem Aussterben von Tieren, den Schwierigkeiten, sich gegen die drohende Katastrophe des Planeten Erde zu stemmen, was hält da Menschen aufrecht, die sich für den Schutz von Tieren und Natur einsetzen? Was bringt sie dazu, weiter zu machen? Die Antworten, die Politiker und Biologe Anton Hofreiter, Schauspieler und Filmemacher Hannes Jaenicke und Naturschützer Helmut Huber darauf zum Finale der Podiumsdiskussion „Quo vadis, Leben?“ gaben, fielen unterschiedlich aus. Einig waren sich aber alle drei: Sie werden dennoch weiter machen mit ihrer Arbeit.

Bernhard Lohr, der Vorsitzende des Günzburger Vereins Faszination Regenwald, setzte dieses Mal auf eine Diskussionsrunde anstelle einer Regenwald-Nacht mit Musik und Film, wie sie in den vergangenen Jahren unter anderem mit Schauspieler Michael Mendl, der Günzburger Starsopranistin Diana Damrau oder der Popmusikerin Cassandra Steen stattgefunden haben. Die drei, die diesmal auf der Bühne saßen und sich den Fragen von Lohr und Maximilian Deisenhofer stellten, konnten eindringlich von der Zerstörung berichten, die sich auf der Welt breitmacht. Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter hat wie Lohr seine Doktorarbeit über den tropischen Regenwald verfasst und war dazu in Peru vor Ort. Jaenicke befasst sich in seinen Dokumentationsfilmen seit Jahren mit aussterbenden und bedrohten Tierarten, am morgigen Dienstag läuft seine neueste Doku „Im Einsatz für Geparden“ um 22.15 Uhr im ZDF. Und Helmut Huber kämpft als Vorsitzender der Organisation „Fans for Nature“ seit Jahren auf Borneo für das Überleben des Regenwalds als Lebensraum der Orang-Utans – gegen große Hindernisse.

Was die drei aus ihrer Arbeit erzählen, ist ernüchternd. Hannes Jaenicke berichtet von Wildtieren, die – mangels jeglicher gesetzlicher Regelung in Deutschland – in nicht artgerechter Weise gehalten werden: Beispielsweise der Gepard, der in einem baden-württembergischen Privatgarten lebt. „Wir drehen jetzt seit sechs Monaten über das Aussterben der heimischen Sing- und Zugvögel. 60 Prozent der Vögel und 80 Prozent der Insekten haben wir hier in Deutschland schon verloren.“ Anton Hofreiter ärgert sich über den gezielten Betrug am Konsumenten, hinter dem Furchtbares stecke. „Wieso erlauben wir es, dass Produkte importiert werden, in denen de facto tote Kleinbauern stecken?“ Helmut Huber erzählt, wie er und seine Mitstreiter auf Borneo mit ansehen müssen, wie in unvorstellbarem Ausmaß Regenwald zerstört wird, um dort Palmöl anzubauen. Und wie das geschlagene Tropenholz mittels trickreicher Verschiffung Gütesiegel erhält, die den europäischen Kunden falsche Nachhaltigkeit vorgaukeln.

Sind wir also eigentlich noch zu retten? Die Diskutanten sagen: Ja. Denn es gebe durchaus Möglichkeiten, es besser zu machen. Durch mehr Aufklärung, schon in der Schule, sagt Hofreiter. Durch „Besteuerung von Leuten, die rumsauen, und Belohnung für die, die nicht rumsauen“ (Jaenicke). Durch faire, nachvollziehbare Siegel und Transparenz bei der Herstellung, findet Huber.

Und wie motivieren sich die Podiumsredner dafür, genau das weiter zu tun, was sie machen? „Aufgeben gilt nicht“, sagt Jaenicke. Woran er sich hochzieht, sind Hoffnungs-Beispiele: „Als ich Kind war, durften wir keinesfalls in den Rhein, das war eine gefährliche Giftkloake. Heute ist der Fluss zwar immer noch nicht sauber, aber Baden kann man wieder.“ Helmut Huber setzt seine Hoffnung auf die jungen Leute, wie auf Borneo. „Die 16-, 17-, 18-Jährigen sind ein Lichtblick. Sie verstehen, was passiert.“ Und Politiker Anton Hofreiter glaubt daran, dass das Wissen der Menschheit noch nie so groß war wie heute. Dieses Wissen müsse nur richtig eingesetzt werden. „Wir haben doch alle Chancen, das hinzukriegen.“

Neu-Ulmer Zeitung zur 2.Ulmer Regenwald Nacht

Neu-Ulmer Zeitung zur 2.Ulmer Regenwald Nacht

https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Die-Natur-fasziniert-der-Mensch-weckt-Zorn-id51044421.html

Ulm

07.05.2018

Die Natur fasziniert, der Mensch weckt Zorn

Besucher vor den Schautafeln der Regenwald-Nacht.
Bild: Dagmar Hub

Michael Mendl sagt seinen Auftritt bei der Ulmer Regenwaldnacht kurzfristig ab. Doch seine Filme sind auch ohne den Schauspieler aussagekräftig.

Die schlechte Nachricht für Fans von Michael Mendl kam zuerst: Der 73-Jährige, einer der gefragtesten deutschen Charakterdarsteller, musste seinen Auftritt bei der Zweiten Ulmer Regenwaldnacht im Stadthaus kurzfristig absagen. Stattdessen zeigte der Günzburger Arzt und Biologe Bernhard Lohr nach einem erdgeschichtlichen und evolutionsbiologischen Kurzreferat zunächst den Film „Mein Leben am seidenen Faden“. Lohr ist Vorsitzender des Vereins Faszination Regenwald, an dem Freitagabend im Stadthaus trat er mit seinen Gästen ins Gespräch.

Der sozial und ökologisch engagierte Schauspieler Michael Mendl hat für „Mein Leben am seidenen Faden“ Biologen in den Regenwald von Französisch-Guayana begleitet hatte. Der Kontrast zum anschließenden zweiten Film „The Final Cut“, gedreht 2013 auf Borneo, schuf starke, emotionale Bilder.

Organisator Bernhard Lohr: Die Bedrohung für den Regenwald „aktueller denn je“

Die erste Ulmer Regenwaldnacht hat 2007 stattgefunden. Die Botschaften von der Faszination und der Bedrohung des Regenwaldes seien nicht neu, sagte Lohr, „aber aktueller denn je“. Die Gegenüberstellung der beiden Filme mit Regenwald-Botschafter Mendl, zwischen deren Drehs genau zehn Jahre liegen, ergab dann auch spannende Eindrücke: Die leuchtenden Augen des Schauspielers bei seinen Begegnungen mit Fauna und Flora im Amazonas-Regenwald – und seine zornige Empörung angesichts der Erlebnisse der Zerstörung im Regenwald am Mount Meratus auf der indonesischen Insel Borneo.

Illegaler Kohleabbau, Brandrodung, legales und illegales Fällen der uralten Baumriesen, illegale Goldschürfer-Camps und riesige Monokulturen von Ölpalmen zur Erzeugung von Palmöl zerstören den Lebensraum des Meratus-Regenwaldes. „The Final Cut“ dokumentiert den destruktiven Einfluss der wachsenden Menschheit auf das Ökosystem. Er dokumentiert aber auch den Unwillen der indonesischen Regierung, bestehende Gesetze durchzusetzen – und dokumentiert, so Mendl im Film, den „Aberwitz“ so genannten Bio-Sprits: Die Gesamtbilanz der Umweltbelastung fällt bei Palmöl-Beimischung in den Treibstoff angesichts der Brandrodung der Regenwälder zur Palmöl-Produktion negativ aus, echauffiert sich Mendl über die EU-Kraftstoff-Politik. In 50 Jahren werde das waldreiche Borneo eine Wüste sein, fürchtet der Regenwald-Botschafter.

Schauspieler Michael Mendl ist auch Regenwald-Botschafter

Der Film stellt die wachsende Zahl der Menschen der stark zurück gehenden Orang-Utans-Population gegenüber. Bedroht sind die Tiere nicht nur durch die Zerstörung ihres Lebensraumes, sondern auch durch den illegalen Fang der Babys, dem regelmäßig die Tötung der Mutter vorhergeht. Eine Orang-Utan-Frau bringt in ihrem Leben nur drei bis vier Junge zur Welt, mit denen sie jeweils sieben Jahre in engstem Kontakt lebt, berichtet Lohr. Die Universität Ulm erwähnt der Diplom-Biologe und Arzt mehrmals lobend: Sein Doktorvater Gerhard Gottsberger gehöre wie die 2011 in Tansania verstorbene Ulmer Tropenforscherin Elisabeth Kalko zu den renommiertesten Tropen-Ökologen.

Zwischen den Filmen präsentierte die Vokalistin Phoenic ihr Debutalbum „Time to change“. Nicole Bornkessel, die unter diesem Künstlernamen auftritt, engagiert sich unter anderem für Tierrechte. Die 42-Jährige schreibt alle ihre Texte selbst