Wir trauern um Michael  Mendl (20.4.1944 – 31.07.2026)

Wir trauern um Michael  Mendl (20.4.1944 – 31.07.2026)

Ein unermüdlicher Kämpfer für den Erhalt des tropischen Regenwaldes – und guter Freund!

„Vertrauen, Aufopferung, Leidenschaft, das zeichnete Michael Mendl aus.“
Wir erinnern uns an Michaels Einsatz für den Regenwaldschutz.
Danke dafür!

von Bernhard Lohr

Ich habe Michael 2003 kennengelernt, als ich eine prominente Persönlichkeit als „Darsteller“ für meine Regenwalddokumentation „Mein Leben am seidenen Faden“ gesucht hatte. Zuletzt habe ich Michael im April 2026 in Berlin besucht, als wir gemeinsam mit der bekannten deutschen Theaterschauspielerin Barbara Nüsse einen Podcast zum Thema Regenwaldzerstörung auf Borneo aufgenommen haben (#5nach12 mit Barbara Nüsse, Michael Mendl, Dr. Bernhard Lohr und Enrico Eberlein – #5nach12 | Podcast on Spotify).

In den dazwischenliegenden 23 Jahren haben Michael und ich viele gemeinsame „Schlachten“ in Sachen Schutz des tropischen Regenwaldes geschlagen und über dieses gemeinsame Anliegen ist eine tiefe Verbundenheit zwischen uns beiden entstanden. Die beiden Regenwaldfilme (siehe unter „Filme“), die ich mit Michael im Regenwald von Französisch-Guayana und in Borneo gedreht habe, und unzählige gemeinsame Regenwaldveranstaltungen haben nicht nur die Regenwaldarbeit unseres kleinen Vereins in neue Sphären gehoben, es war für mich persönlich ein großes Privileg, Michael kennenlernen und erleben zu dürfen.

Wenn ich Michael mit wenigen Schlagworten charakterisieren sollte und drei Begriffe nennen dürfte, dann würde ich sagen:

  1. Vertrauen: Mich hat immer wieder erstaunt welches Vertrauen Michael mir und meinen Mitstreitern entgegengebracht hat: Nicht nur, dass er sich auf das Abenteuer einer Expedition in einen sehr abgelegenen Winkel des Amazonas- Regenwaldes von Französisch-Guayana eingelassen hat, er hat sich auch noch an einer, von meinen Kollegen Tom Deutschle, Karl Knöpfle und mir, gebastelten Flaschenzugkonstruktion in das Kronendach des tropischen Regenwaldes hochziehen lassen, um stundenlange Dreharbeiten in schwindelerregender Höhe zu absolvieren.

Der Titel unseres ersten gemeinsamen Filmes „Mein Leben am seidenen Faden“ ist im wahrsten Sinne des Wortes zutreffend, denn Michael hat sein Leben an ein 10 mm dünnes Seil gehängt, das wir zwischen zwei tropischen Überständern gespannt hatten.

Michael hat uns aber auch inhaltlich und filmisch komplett vertraut. Er vertraute nicht nur vorbehaltlos der Regie durch Jens Wolf in unserer zweiten Dokumentation „The Final Cut“, er hat alle Worte und Texte so gesprochen, wie mein Freund Peter Böhmer und ich sie für ihn notiert hatten. Er war ein Profi durch und durch, obwohl unsere beiden Dokumentationen natürlich kein klassisches Film-Engagement für ihn waren oder, um mit seinen Worten zu sprechen: „Zum ersten Mal in meinem Leben drehe ich einen Film, ohne Schauspieler zu sein“.

  1. Aufopferung: Expeditionen in den tropischen Tieflandregenwald sind nicht nur gefährlich, sondern auch körperlich sehr herausfordernd. Das gilt für jedermann, aber insbesondere traf das auch für Michael zu. Die Dreharbeiten zu unserer zweiten Dokumentation „The Final Cut“ 2013 in Borneo fanden kurz nach einer großen Darmoperation statt, der sich Michael im Rahmen seiner zweiten Tumorerkrankung unterziehen musste.

Ich war zu jener Zeit als Assistenzarzt in der Gastroenterologie an der Klinik Krumbach tätig und erlebte damals bei vielen unserer Patienten mit, wie kräftezehrend, psychisch und physisch belastend solch eine Erkrankung sein kann. Umso erstaunlicher, dass Michael sich auf  eine Regenwaldexpedition  nach Borneo aufmachte, um das dramatische Aussterben der Orang-Utan’s  Borneos aufzuzeigen.

  1. Leidenschaft: Als sich Michael 2003 auf unser erstes Filmprojekt eingelassen hat, war es zum damaligen Zeitpunkt nicht ausschließlich sein Naturschutzengagement, das ihn in den Folgejahren auszeichnete, sondern eher die Neugier, einen ungestörten tropischen Tieflandregenwald auf eine intensive und ungewöhnliche Art und Weise erleben zu können.  Mit der ihm innewohnenden Leidenschaft entwickelte sich daraus ein langjähriges Engagement für den Schutz des tropischen Regenwaldes. Trotz vieler Drehverpflichtungen und kräftezehrender Krankheit hat er es sich nicht nehmen lassen, auf fast alle meiner Ideen zu Regenwaldveranstaltungen einzugehen und an diesen mitzuwirken.

Gemeinsame Abende in einem Regenwaldcamp bedeuten ein intensives Miteinander ohne Internet oder Fernsehen. Man sitzt zusammen und unterhält sich, und nicht nur einmal hat Michael aufgezeigt, was es heißt, Schauspieler zu sein. Unser erstes Filmprojekt drehten wir kurz nach einem seiner größten Erfolge, „Schatten der Macht“, in dem er Willy Brandt spielte.  Eines Abends begann er unvermittelt Willy Brandt „zu sein“ und wenn ich nicht gewusst hätte, dass Willy Brandt zu diesem Zeitpunkt bereits lange verstorben war, hätte ich gedacht, er stehe vor mir.

Michael war eine Person voller Kraft und Leidenschaft und trotzdem hat er mir und meinen Kollegen – in Sachen Regenwald – zu 100 % vertraut, das hat mich stolz und glücklich gemacht.

Lieber Michael, du wirst mir fehlen.

                                       

Michael Mendl und Bernhard Lohr.                                                              Michael Mendl, Barbara Nüsse und Bernhard Lohr
bei den Dreharbeiten „The Final Cut“ (2003)                                               bei Enrico Eberlein Podcast 5nach12  (2026)