Stellungnahme zu den Waldbränden in Amazonien 2019

Stellungnahme zu den Waldbränden in Amazonien 2019

„Faszination Regenwald e.V.“ fordert ein komplettes Umdenken in der europäischen Agrarund
Energiepolitik zum Schutz des tropischen Regenwaldes!
Noch immer wird die Dramatik nicht erkannt. Sich auf die Löschung der Brände zu
beschränken und im Anschluss über Möglichkeiten zur Wiederaufforstung nachzudenken, wie
vor wenigen Tagen von der Bundeskanzlerin Angela, auf dem G7 Gipfel-Treffen in Biarritz
gefordert, ist bei Weitem nicht ausreichend.
Der erdballumspannende tropische Waldgürtel ist sehr viel mehr als ein riesiger
Kohlenstoffspeicher. Die Bedeutung des tropischen Regenwaldes übersteigt seine Funktion
als die grüne Lunge unserer Erde. Mit den derzeit stattfindenden gigantischen Waldbränden
in Amazonien werden nicht nur Milliarden an Tonnen CO2 freigesetzt und der Klimawandel
weiter angeheizt, sondern darüber hinaus wird die derzeitige globale Artenkrise aufs
Massivste verschärft. Ein Großteil der landgebundenen Artenvielfalt hat seinen Lebensraum
in den tropischen Regenwäldern. Man kennt heute 1,8 Millionen an unterschiedlichen Tier-,
Pflanzen-, Pilz- und Mikroorganismenarten. Die Wissenschaft geht davon aus, dass aber
insgesamt mehr als 30 Millionen an unterschiedlichen Arten auf der Erde vorkommen, die
meisten davon noch unentdeckt in den Kronen tropischer Urwaldriesen.
Mit der gigantischen Brandrodung der tropischen Regenwälder wird nicht nur das Ökosystem
Erde in Frage gestellt, das ohne tropische Regenwälder nicht funktioniert, es wird das sechste
große, vom Menschen verursachte, Artensterben in der Geschichte des Lebens auf ungeahnte
Weise weiter angeheizt.
Der Motor für die Zerstörung der globalen Regenwälder ist überall der gleiche: Erst werden
die wertvollen tropischen Urwaldriesen gefällt und als zweiter Schritt werden Brände gelegt,
um das Land von der restlichen Vegetation zu „befreien“. Derzeit allein in Amazonien ca.
82.000 Brände. Auf diesen so vorbereiteten Flächen werden Grassamen ausgebracht, damit
Rinder weiden können (allein in Brasilien über 215 Millionen) oder sie werden als Anbaufläche
von Soja verwendet. Soja wird als Viehfutter in der chinesischen Schweinezucht oder als
wertvolle Proteinquelle für die Millionen Tiere in Europas Ställen verwendet. Ohne
Sojaimporte aus den Tropen ist die europäische Massentierhaltung in den derzeitigen
Dimensionen nicht denkbar. Deshalb sind die Ansätze der deutschen Bundeskanzlerin und des
französischen Staatspräsidenten nur Pflaster auf akute Wunden. Wenn Europa es ernst
meinen würde mit einem Schutz der tropischen Regenwälder, müsste es seine
Exportorientierung und Massenproduktion in der Landwirtschaft zugunsten einer lokalen und
ökologisch orientierten Nahrungsmittelproduktion aufgeben.
Ähnliches gilt für die Energiepolitik. Hier werden Millionen Tonnen an Biodiesel aus tropischen
Ölpalmen eingesetzt. Die Ölpalme wird in riesigen Mengen v.a. in Malaysia und Indonesien
angebaut. Auf Flächen, die zuvor durch Brandrodung „gereinigt“ werden müssen. Europa
reduziert seine CO2 -Emissionen durch vermeintlichen „Biodiesel“ und dafür lösen sich an
anderer Stelle die Lebensräume von Millionen Tier- und Pflanzenarten in Rauch auf.
„Faszination Regenwald e.V.“ fordert deshalb eine radikale Änderung in der europäischen
Agrar- und Energiepolitik zum Schutze der letzten noch verbliebenen tropischen Regenwälder
mit ihrem unglaublichen Artenreichtum! Die grüne Lunge der Erde muss unter
„Denkmalschutz“ gestellt werden.

Günzburg im August 2019
Bernhard Lohr, Birgit Fahr, Kurt Schweizer (Vorstand Faszination Regenwald e.V.)

Günzburger Zeitung zu „Creating a good life for Orang-Utans“

Günzburger Zeitung zu „Creating a good life for Orang-Utans“

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Ein-Tierschuetzer-berichtet-wie-die-Heimat-der-Orang-Utans-brachial-zerstoert-wird-id55255986.html

Ein Tierschützer berichtet, wie die Heimat der Orang Utans „brachial zerstört“ wird

Ein Orang-Utan klettert zwischen Bäumen im Tanjung Puting National Park in Kalimantan auf Borneo. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden auf der Insel zur Gewinnung von Palmöl 70.000 Hektar Regenwald gerodet. Foto: Barbara Walton/EPA

2 Bilder
Der Lebensraum von Orang Utans wird immer weiter zerstört.
Bild: Barbara Walton/EPA (dpa)

Der Verein Faszination Regenwald hat einen bedeutenden Orang-Utan-Schützer nach Günzburg eingeladen. Warum die Tiere so leiden müssen und wie sie geschützt werden können.

Es bedurfte starker Nerven um zu ertragen, was da dem Publikum im Sportheim Wasserburg vor Augen geführt wurde. Einem Publikum, das „zum Regenwalderfahrendsten im weiten Umkreis gehört“, wie es Tropenbiologe und Vereinsvorsitzender Dr. Bernhard Lohr formulierte. Geladen hatte er zum Vortrag über das Thema „Creating a good life for Orang Utans“ einen hochkompetenten Gast.

Einen „wie es keinen Zweiten gibt“, nämlich den Gründer und Leiter der renommierten Orang-Utan-Schutzorganisation COP, Hardy Baktiantor, der auch an der momentan stattfindenden europäischen Weltklimakonferenz teilnimmt.

Regenwald wird für Palmöl gerodet

Weiter eingeladen war Helmut Huber, Vorsitzender des niederbayerischen Partnervereins „Fans for Nature“, der persönliche Erfahrungen über die bedrohliche Situation im Regenwald von Borneo beisteuern konnte. Mit drastischen Tatsachen über Zerstörung und Leid konfrontierte Lohr in seiner Vorrede die Zuhörer. Brachte, im Zusammenhang mit dem derzeitigen Flammeninferno in Brasilien, die 72000 Brände im Amazonasgebiet (eine Steigerung um 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr) zur Sprache, die 700000 Quadratkilometer Wald, die seit den 70er Jahren in Brasilien gerodet wurden, um Platz für Palmöl, Sojaindustrie und vierfach gesteigerten Rinderexport (allein im letzten Jahr 215 Millionen Tiere im Gegenwert von 6,5 Milliarden Dollar) zu schaffen.

Daneben noch die im Hintergrund betriebene Goldwäscherei im Amazonasgebiet mit rund 200000 illegalen Minen und Gruben. Neben der „brachialen Zerstörung ihres Lebensraumes“ droht, wie Helmut Huber berichtete, den vom Aussterben bedrohten Tierarten, wie dem Orang-Utan, eine weitere Gefahr: Wenn er sich, in seiner angestammten Region, auf die Suche nach Palmfrüchten macht, oder in bereits abgeholzten Teilen nachwachsende Triebe als Nahrung verwendet, kann er gejagt und getötet werden.

Dorfbewohner fangen die Affen ein und halten sie als Haustiere

Zudem fangen sich Dorfbewohner in der Nähe von Plantagen gerne junge Äffchen als Haustiere ein, oder gar als Kinderersatz. Für Profijäger ist es eine hochlukrative Einnahmequelle. Gelingt ihnen nämlich ein illegaler Export nach Europa, winken, so Huber, bis zu 40000 Euro als Lohn. Bei seiner letzten Reise traf er auf das Äffchenbaby Alois – verletzt, zerschunden, gefangen in einer engen Kiste, allein, ohne Mutter. (Lesen Sie über die Rettung eines Orang-Utan-Babys: Was dieses Orang-Utan-Baby mit Offingen verbindet ) Die wurde erbarmungslos getötet. „Emotionen sind in dem Job nicht unbedingt hilfreich“, so sein Kommentar. Er konnte das Baby an sich nehmen und im COP- Rettungszentrum vor dem sicheren Tod bewahren.

Die Zukunft der Orang-Utans, deren Erbgut zu über 97 Prozent dem Erbgut eines Menschen gleicht – deshalb der Name Waldmensch – , ist, erklärte Umweltaktivist Baktiantor, zum Großteil wegen Regenwaldabholzung für Palmöl höchst gefährdet. Deshalb sei seine Organisation bemüht, mit der Regierung zu einer gesetzlich geregelten Nachhaltigkeitsvereinbarung zu kommen.

Leichter gesagt als getan. Die allmächtige Palmölindustrie nämlich versuche vielfach, durch Finanzierungshilfen an Umweltschutzorganisationen eine „Schweigegeldlösung“ zu erreichen. Für ihn, so betonte Baktianor unmissverständlich, komme aber solch ein Abkommen nicht infrage. Er sei für die konstruktive Öffentlichmachung eines Umweltschutzprogrammes, mit dem großen Traum einer 53000 Hektarfläche Schutz- und Lebensraum.

In der „Waldschule“ werden verletzte Tiere gesund gepflegt

Einem Ort der Zuflucht, auch für seine „Waldschule“, in der eingelieferte Jungtiere auf eine Wiedereingliederung in den Urwald vorbereitet werden, für sein Rettungszentrum, in dem verletzte, verbrannte, versklavte oder verhungernde Menschenaffen gesund gepflegt werden können. Nicht immer gelingt dies.

Schockierende Bilder zeigen eine brutale Wirklichkeit, wie sie für den Betrachter nur schwer zu ertragen ist: erbarmungslos gejagte Wesen mit gebrochenen Gliedmaßen, abgehackten Fingern, klaffenden Kopfwunden, angeschossenen Körperteilen, ausgezehrter Unbarmherzigkeit. Ergebnis eines ökologischen Desasters, „ausgehend aus einer der reichsten Regionen auf dem Planeten“. Der Grund für das Leid und die Regenwaldrohdung – darin waren sich alle Beteiligten einig – ist, neben der Rinderzucht, vor allem die Produktion von Palmöl, das in enorm vielen Nahrungsmitteln, in Kerzen, Reinigungsmitteln, Kosmetik, auch in Biosprit enthalten ist. Genaugenommen in jedem zweiten Supermarktprodukt.

Die abschließende Diskussion mit den Zuhörern brachte es auf den Punkt: Orang-Utans würden für Palmöl sterben. Doch was können die Menschen tun? Die Meinungen waren so vielfältig wie die Möglichkeiten gering. Packungsinformation lesen: weniger im Supermarkt, dafür mehr frische Waren kaufen und sich in Umweltschutzorganisation engagieren.

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Quo vadis Leben?“ findet am Samstag, 28. September, im Sportheim Wasserburg statt. Es gibt eine Podiumsdiskussion zum Thema globales Artensterben. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Günzburger Zeitung zur ersten Ausgabe von „Quo vadis – Leben?“ am 08.10.2018

Günzburger Zeitung zur ersten Ausgabe von „Quo vadis – Leben?“ am 08.10.2018

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Sind-wir-eigentlich-noch-zu-retten-id52379261.html

Leipheim

08.10.2018

Sind wir eigentlich noch zu retten?

Politiker und Biologe Anton Hofreiter, Schauspieler Hannes Jaenicke und Naturschützer Helmut Huber diskutierten in Leipheim mit Maximilian Deisenhofer und Bernhard Lohr (von links) zum Thema „Quo vadis, Leben?“.
Bild: Rebekka Jakob

Hannes Jaenicke, Anton Hofreiter und Naturschützer Helmut Huber sprechen über das, was im Umgang des Menschen mit der Erde schief läuft.

Die spannendste Frage an diesem Abend im Leipheimer Waldvogel kam ganz zum Schluss aus dem Publikum. Angesichts all der Zerstörung auf dem Planeten, dem Aussterben von Tieren, den Schwierigkeiten, sich gegen die drohende Katastrophe des Planeten Erde zu stemmen, was hält da Menschen aufrecht, die sich für den Schutz von Tieren und Natur einsetzen? Was bringt sie dazu, weiter zu machen? Die Antworten, die Politiker und Biologe Anton Hofreiter, Schauspieler und Filmemacher Hannes Jaenicke und Naturschützer Helmut Huber darauf zum Finale der Podiumsdiskussion „Quo vadis, Leben?“ gaben, fielen unterschiedlich aus. Einig waren sich aber alle drei: Sie werden dennoch weiter machen mit ihrer Arbeit.

Bernhard Lohr, der Vorsitzende des Günzburger Vereins Faszination Regenwald, setzte dieses Mal auf eine Diskussionsrunde anstelle einer Regenwald-Nacht mit Musik und Film, wie sie in den vergangenen Jahren unter anderem mit Schauspieler Michael Mendl, der Günzburger Starsopranistin Diana Damrau oder der Popmusikerin Cassandra Steen stattgefunden haben. Die drei, die diesmal auf der Bühne saßen und sich den Fragen von Lohr und Maximilian Deisenhofer stellten, konnten eindringlich von der Zerstörung berichten, die sich auf der Welt breitmacht. Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter hat wie Lohr seine Doktorarbeit über den tropischen Regenwald verfasst und war dazu in Peru vor Ort. Jaenicke befasst sich in seinen Dokumentationsfilmen seit Jahren mit aussterbenden und bedrohten Tierarten, am morgigen Dienstag läuft seine neueste Doku „Im Einsatz für Geparden“ um 22.15 Uhr im ZDF. Und Helmut Huber kämpft als Vorsitzender der Organisation „Fans for Nature“ seit Jahren auf Borneo für das Überleben des Regenwalds als Lebensraum der Orang-Utans – gegen große Hindernisse.

Was die drei aus ihrer Arbeit erzählen, ist ernüchternd. Hannes Jaenicke berichtet von Wildtieren, die – mangels jeglicher gesetzlicher Regelung in Deutschland – in nicht artgerechter Weise gehalten werden: Beispielsweise der Gepard, der in einem baden-württembergischen Privatgarten lebt. „Wir drehen jetzt seit sechs Monaten über das Aussterben der heimischen Sing- und Zugvögel. 60 Prozent der Vögel und 80 Prozent der Insekten haben wir hier in Deutschland schon verloren.“ Anton Hofreiter ärgert sich über den gezielten Betrug am Konsumenten, hinter dem Furchtbares stecke. „Wieso erlauben wir es, dass Produkte importiert werden, in denen de facto tote Kleinbauern stecken?“ Helmut Huber erzählt, wie er und seine Mitstreiter auf Borneo mit ansehen müssen, wie in unvorstellbarem Ausmaß Regenwald zerstört wird, um dort Palmöl anzubauen. Und wie das geschlagene Tropenholz mittels trickreicher Verschiffung Gütesiegel erhält, die den europäischen Kunden falsche Nachhaltigkeit vorgaukeln.

Sind wir also eigentlich noch zu retten? Die Diskutanten sagen: Ja. Denn es gebe durchaus Möglichkeiten, es besser zu machen. Durch mehr Aufklärung, schon in der Schule, sagt Hofreiter. Durch „Besteuerung von Leuten, die rumsauen, und Belohnung für die, die nicht rumsauen“ (Jaenicke). Durch faire, nachvollziehbare Siegel und Transparenz bei der Herstellung, findet Huber.

Und wie motivieren sich die Podiumsredner dafür, genau das weiter zu tun, was sie machen? „Aufgeben gilt nicht“, sagt Jaenicke. Woran er sich hochzieht, sind Hoffnungs-Beispiele: „Als ich Kind war, durften wir keinesfalls in den Rhein, das war eine gefährliche Giftkloake. Heute ist der Fluss zwar immer noch nicht sauber, aber Baden kann man wieder.“ Helmut Huber setzt seine Hoffnung auf die jungen Leute, wie auf Borneo. „Die 16-, 17-, 18-Jährigen sind ein Lichtblick. Sie verstehen, was passiert.“ Und Politiker Anton Hofreiter glaubt daran, dass das Wissen der Menschheit noch nie so groß war wie heute. Dieses Wissen müsse nur richtig eingesetzt werden. „Wir haben doch alle Chancen, das hinzukriegen.“

Neu-Ulmer Zeitung zur 2.Ulmer Regenwald Nacht

Neu-Ulmer Zeitung zur 2.Ulmer Regenwald Nacht

https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Die-Natur-fasziniert-der-Mensch-weckt-Zorn-id51044421.html

Ulm

07.05.2018

Die Natur fasziniert, der Mensch weckt Zorn

Besucher vor den Schautafeln der Regenwald-Nacht.
Bild: Dagmar Hub

Michael Mendl sagt seinen Auftritt bei der Ulmer Regenwaldnacht kurzfristig ab. Doch seine Filme sind auch ohne den Schauspieler aussagekräftig.

Die schlechte Nachricht für Fans von Michael Mendl kam zuerst: Der 73-Jährige, einer der gefragtesten deutschen Charakterdarsteller, musste seinen Auftritt bei der Zweiten Ulmer Regenwaldnacht im Stadthaus kurzfristig absagen. Stattdessen zeigte der Günzburger Arzt und Biologe Bernhard Lohr nach einem erdgeschichtlichen und evolutionsbiologischen Kurzreferat zunächst den Film „Mein Leben am seidenen Faden“. Lohr ist Vorsitzender des Vereins Faszination Regenwald, an dem Freitagabend im Stadthaus trat er mit seinen Gästen ins Gespräch.

Der sozial und ökologisch engagierte Schauspieler Michael Mendl hat für „Mein Leben am seidenen Faden“ Biologen in den Regenwald von Französisch-Guayana begleitet hatte. Der Kontrast zum anschließenden zweiten Film „The Final Cut“, gedreht 2013 auf Borneo, schuf starke, emotionale Bilder.

Organisator Bernhard Lohr: Die Bedrohung für den Regenwald „aktueller denn je“

Die erste Ulmer Regenwaldnacht hat 2007 stattgefunden. Die Botschaften von der Faszination und der Bedrohung des Regenwaldes seien nicht neu, sagte Lohr, „aber aktueller denn je“. Die Gegenüberstellung der beiden Filme mit Regenwald-Botschafter Mendl, zwischen deren Drehs genau zehn Jahre liegen, ergab dann auch spannende Eindrücke: Die leuchtenden Augen des Schauspielers bei seinen Begegnungen mit Fauna und Flora im Amazonas-Regenwald – und seine zornige Empörung angesichts der Erlebnisse der Zerstörung im Regenwald am Mount Meratus auf der indonesischen Insel Borneo.

Illegaler Kohleabbau, Brandrodung, legales und illegales Fällen der uralten Baumriesen, illegale Goldschürfer-Camps und riesige Monokulturen von Ölpalmen zur Erzeugung von Palmöl zerstören den Lebensraum des Meratus-Regenwaldes. „The Final Cut“ dokumentiert den destruktiven Einfluss der wachsenden Menschheit auf das Ökosystem. Er dokumentiert aber auch den Unwillen der indonesischen Regierung, bestehende Gesetze durchzusetzen – und dokumentiert, so Mendl im Film, den „Aberwitz“ so genannten Bio-Sprits: Die Gesamtbilanz der Umweltbelastung fällt bei Palmöl-Beimischung in den Treibstoff angesichts der Brandrodung der Regenwälder zur Palmöl-Produktion negativ aus, echauffiert sich Mendl über die EU-Kraftstoff-Politik. In 50 Jahren werde das waldreiche Borneo eine Wüste sein, fürchtet der Regenwald-Botschafter.

Schauspieler Michael Mendl ist auch Regenwald-Botschafter

Der Film stellt die wachsende Zahl der Menschen der stark zurück gehenden Orang-Utans-Population gegenüber. Bedroht sind die Tiere nicht nur durch die Zerstörung ihres Lebensraumes, sondern auch durch den illegalen Fang der Babys, dem regelmäßig die Tötung der Mutter vorhergeht. Eine Orang-Utan-Frau bringt in ihrem Leben nur drei bis vier Junge zur Welt, mit denen sie jeweils sieben Jahre in engstem Kontakt lebt, berichtet Lohr. Die Universität Ulm erwähnt der Diplom-Biologe und Arzt mehrmals lobend: Sein Doktorvater Gerhard Gottsberger gehöre wie die 2011 in Tansania verstorbene Ulmer Tropenforscherin Elisabeth Kalko zu den renommiertesten Tropen-Ökologen.

Zwischen den Filmen präsentierte die Vokalistin Phoenic ihr Debutalbum „Time to change“. Nicole Bornkessel, die unter diesem Künstlernamen auftritt, engagiert sich unter anderem für Tierrechte. Die 42-Jährige schreibt alle ihre Texte selbst

Günzburger Zeitung vom 31.12.2017: Bernhard Lohr – die Stimme des Regenwaldes.

Günzburger Zeitung vom 31.12.2017: Bernhard Lohr – die Stimme des Regenwaldes.

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Bernhard-Lohr-Die-Stimme-fuer-den-Regenwald-id43676216.html

Bernhard Lohr – Die Stimme für den Regenwald

Copy%20of%20Damrau_Lohr_5.tif

2 Bilder
Der Günzburger Bernhard Lohr macht auf die Zerstörung der tropischen Regenwälder aufmerksam.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Günzburger Arzt und Biologe hat sich in Borneo umgesehen und gefilmt, was rücksichtslose Umweltzerstörung für Folgen hat. Auszüge seiner beeindruckenden Rede.

Von Bernhard Lohrs Dokumentarfilm, der die Zerstörung des Regenwaldes in Borneo zeigt, war Claudia Roth sichtlich beeindruckt; so sehr, dass die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags den Film des Günzburger Arztes wenige Wochen später dem Dalai Lama geschenkt hat.

Imposant ist das Engagement Lohrs für den Regenwald und die Orang-Utans in Borneo. Und hörenswert war auch das, was er beim „Regenwaldkino“ in Offingen im September zu sagen hatte. Für diejenigen, die an diesem Abend nicht dabei waren, veröffentlichen wir in weiten Auszügen seine eindringliche Rede. Für mich war das die „Rede des Jahres 2017“, die im Landkreis Günzburg gehalten wurde. Sie verdeutlicht, welche Auswirkungen auf uns die Zerstörung der Natur haben kann, die doch so fern der eigenen Heimat geschieht. Und sie zeigt, dass Gleichgültigkeit zu keiner erstrebenswerten Lösung führt. Nachfolgend die Dokumentation der Rede:

„Heute möchten wir nicht nur die Faszination und Bedeutung des tropischen Regenwaldes deutlich machen – heute werden wir Zusammenhänge aufzeigen. Zusammenhänge, die nicht bequem für uns sind. Zusammenhänge, die deutlich machen, dass diese Wälder zwar weit von uns entfernt sind, wir hier in Mitteleuropa, in Bayern, in Offingen aber nichtsdestotrotz großen Einfluss auf das Schicksal dieser Wälder haben beziehungsweise umgekehrt natürlich auch unser Wohlergehen vom Erhalt dieses einzigartigen Waldökoystems abhängig ist.

„Die Schlacht wird nicht nur in unseren Herzen geschlagen“

Viele von Ihnen waren bereits Gäste auf einer unserer Regenwald-Nächte, die wir unter anderem. mit Diana Damrau und auch mit den Schauspielern Michael Mendl und Hannes Jaenicke durchgeführt haben. Wir wollten unsere Zuschauer im Herzen berühren, und mit der wunderbaren und einzigartigen Diana Damrau als Botschafterin für den Regenwald ist uns dies auch gelungen. Die Schlacht für die Rettung des tropischen Regenwaldes, sie wird aber nicht nur in unseren Herzen geschlagen. Die entscheidende Bühne für das Schicksal des Regenwaldes ist das politische Parkett. Aber über Naturschutz im Allgemeinen und Regenwaldschutz im Speziellen wird kaum oder gar nicht gesprochen. Wieso eigentlich? Klimawandel, Verschmutzung der Meere, globales Artensterben: Geht uns dies nichts an?

Wer in der Lage ist, mehr als ein Jahrzehnt in die Zukunft zu denken, muss erstmals in der Geschichte zu der Überzeugung gelangen, dass es jetzt ums Ganze geht. Unsere Bevölkerung, derzeit sieben Milliarden Menschen, in Bälde zehn Milliarden, ist eindeutig zu groß, damit alle in Sicherheit und Wohlstand leben können. Allmählich wird das Trinkwasser knapp, die menschlichen Aktivitäten verschmutzen zunehmend Atmosphäre und Meere.

Das Klima verändert sich zuungunsten des Lebens, und für viele, ja sehr viele Arten hat das letzte Stündlein bereits geschlagen. Das sind nicht meine Worte, sondern die des bedeutendsten Biologen unserer Zeit, E. O. Wilson.

Dieser Wissenschaftler und Publizist hat in seinem jüngsten Buch geschrieben, dass Naturschutz die zentrale Überlebensfrage der Art Homo sapiens ist. Um weiter mit den Worten von E.O. Wilson zu sprechen: Die menschengemachten Probleme sind global und greifen immer weiter um sich, und der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, kommt unaufhaltsam näher – Flickschusterei hilft da nicht mehr weiter. Das Wasser für die Landwirtschaft, für den brandgerodeten Regenwald als Anbaufläche für Sojabohnen und Palmölplantagen wird knapp; die Kapazität der Atmosphäre, überschüssiges Kohlendioxid aufzunehmen, ist klar begrenzt. Die Umweltbilanz aller menschlichen Aktivitäten ist negativ, die Biosphäre wird immer labiler und unsere langfristige Zukunft immer ungewisser, so Wilson.

„Naturschutz ist wahrlich kein Luxusproblem“

Folgt man diesem großen Denker des 20. Jahrhunderts, ist es wahrlich kein Luxusproblem, sich mit Naturschutz auseinanderzusetzen. Oder anders formuliert: Naturschutz spielt völlig zu Unrecht ein Schattendasein in der politischen Diskussion, in der öffentlichen Wahrnehmung.

Uns Menschen kommt auf diesem Planeten eine besondere Verantwortung zu. Wir sind eine von vermutlich zehn Millionen auf diesem Planeten vorkommender Arten. Aber irgendwie hat die Evolution es gut mit uns gemeint und uns mit einem Gehirn ausgestattet, das es uns erlaubt, über unsere Handlungen und Entscheidungen zu reflektieren. Wir können und sollten darüber reflektieren, dass jede unserer Konsumentscheidungen einen Verbrauch von Umwelt und Natur bedeutet und dass wir mit jeder dieser Entscheidungen, den Lebensraum und damit die Lebens-, ja Überlebensmöglichkeit anderer Arten einschränken oder im schlimmsten Fall auch zerstören.

Sie werden in der Dokumentation „The Final Cut“ Maja und Momo kennenlernen, zwei Waldmenschen, deren Schicksal exemplarisch dafür steht, wie ihre gesamte Art, in diesem Fall die Orang-Utans, durch die Ansprüche ihrer nächsten Verwandten – uns Menschen – an den Rand der Ausrottung gedrängt wird. Das Schicksal der Orang- Utans wiederum steht exemplarisch für viele weitere Millionen Tier- und Pflanzenarten, die wir bereits ausgerottet haben beziehungsweise die kurz vor dem endgültigen Verschwinden stehen.

Evolutionsgeschichte am Endpunkt

Unser Planet ist einzigartig. Ein Großteil des Lebens auf unserer Erde hat seine Heimat im Kronendach des tropischen Regenwaldes. Und das wiederum bedeutet: Mit dem Untergang dieser Wälder, so wie wir ihn derzeit erleben, ist ein Artensterben bisher ungekannten Ausmaßes verbunden. Jede Art ist ein Wunder an sich, sie hat sich nach einem Tausende oder auch Millionen Jahre andauernden Überlebenskampf in unsere Zeit hinübergerettet. Sie ist die Beste der Besten in ihrer jeweiligen ökologischen Nische, ist sozusagen ein wahrer Champion. Mit dem Aussterben einer Art kommt eine ruhmreiche Evolutionsgeschichte unwiderruflich und endgültig zum Stillstand. Mit dem Verschwinden einer Art werfen wir einen Teil der Erdgeschichte auf die Müllhalde, ganz zu schweigen davon, dass jede dieser verlorenen Pflanzen-, Bakterien-, Pilz- oder Tierarten einen ungeahnten Nutzen für die Menschheit haben könnte.

Jede Art ist einzigartig und mit ihrem Aussterben schließen wir das Buch der wissenschaftlichen Erkenntnis über sie für immer.

Die fast poetische Formulierung dieser letzten Sätze stammen wiederum vom bereits erwähnten E. O. Wilson. Gefühlvoller und eindrucksvoller könnte ich unsere Motivation für den Schutz des tropischen Regenwaldes nicht beschreiben.“

Günzburger Zeitung zur 2. Günzburger Regenwald Nacht mit Cassandra Steen

Günzburger Zeitung zur 2. Günzburger Regenwald Nacht mit Cassandra Steen

https://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Dem-Regenwald-eine-Stimme-geben-id39675327.html

Günzburg

09.11.2016

Dem Regenwald eine Stimme geben

Copy%20of%2023704966(1).tif

2 Bilder
Soulsängerin Cassandra Steen hat nicht nur eine tolle Stimme – zu hören unter anderem in ihrem Hit „Stadt“ – , sie engagiert sich auch als Botschafterin für die UN-Dekade der Artenvielfalt. In Günzburg unterstützt sie Ende November den Verein Faszination Regenwald mit einem Auftritt im Forum am Hofgarten. Neben ihr wird auch die Wissenschaftlerin Juliane Diller auf der Bühne stehen.
Bild: Britta Pedersen/dpa

Was Sängerin Cassandra Steen und Wissenschaftlerin Juliane Diller bei der zweiten Günzburger Regenwaldnacht zu sagen haben.

Star-Sopranistin Diana Damrau hat schon für den Schutz des Regenwalds gesungen. Schauspieler Michael Mendl hat für diesen Zweck sein Leben an den „seidenen Faden“ gehängt und im Dschungel einen Film gedreht. Kann der Günzburger Verein Faszination Regenwald noch mehr aufbieten, um für sein Anliegen zu werben? Zwei besondere Frauen sind es, die am 26. November im Günzburger Forum am Hofgarten dem Regenwald ihre Stimme leihen: Soulsängerin Cassandra Steen und Wissenschaftlerin Juliane Diller, die im Regenwald einen Flugzeugabsturz überlebte.

Für den Günzburger Arzt und Tropenökologen Bernhard Lohr, der den Verein Faszination Regenwald vor mehr als zehn Jahren gegründet hat, können dies Stimmen nicht laut genug sein. „Das Thema Naturschutz im Allgemeinen und die Regenwaldproblematik im Speziellen sind in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund gerückt“, sagt Lohr. „Die Situation in den tropischen Regenwäldern ist aber dramatischer denn je.“ Mit der Regenwald Nacht – der zweiten Auflage, die in Günzburg stattfindet – will der Verein deshalb die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ein weiteres Mal auf den Schutz dieses einzigartigen Ökosystems lenken.

In den vergangenen Jahren konnte der Verein außergewöhnliche Gäste aufbieten – neben Diana Damrau und Michael Mendl auch Schauspieler Hannes Jaenicke. Das Günzburger Publikum, sagt der Vorsitzende des Vereins, sei deshalb nicht nur ein sehr anspruchsvolles, sondern auch ein sehr erfahrenes in punkto Regenwald. Es sei also keine leichte Aufgabe gewesen, eine Künstlerin zu gewinnen, die das Thema ähnlich stimmungsvoll transportiert, wie dies Diana Damrau geschafft hatte. Per Zufall stieß Lohr auf Cassandra Steen, „Soulikone“ Deutschlands und Echo-Preisträgerin. „Auf einer langen und anstrengenden Autofahrt habe ich Cassandra Steen in einem eindrucksvollen Radiointerview gehört“, erzählt Bernhard Lohr. „Ihre frohgestimmte und positive Ausstrahlung, die Hingabe, mit der Sie über andere Lebewesen gesprochen hat und der Hinweis, dass sie sich als Botschafterin für die UN-Dekade der globalen Artenvielfalt einsetzt, haben mich bewogen, ihr zu schreiben.“ Sofort und völlig unkompliziert habe die Sängerin zugesagt.

Sie überlebte einen Absturz im Regenwald

Neben tief gehender Musik will der Verein aber auch wissenschaftlich fundiert für die Schönheit und globale Bedeutung des Regenwaldes begeistern. Diesen Part übernimmt in Günzburg die Wissenschaftlerin Juliana Diller – sie bezeichnet sich selbst in ihrer Autobiographie „als die Frau, die vom Himmel fiel“. Denn Juliane Diller hat eine ganz einzigartige Sicht auf den Regenwald, den sie in einer Art und Weise erlebt wie kein anderer Mensch auf diesem Planeten. In den 1970er Jahren überlebte sie als junges Mädchen einen Flugzeugabsturz über dem Regenwald von Peru. Das Passagierflugzeug, in dem die damals 17-Jährige saß, zerbrach in 3000 Metern Höhe, Diller überlebte als einzige den Absturz. Schwer verletzt und allein gestellt kämpfte sie sich damals elf Tage durch den Regenwald. Lohr: „Niemand könnte ihr verdenken, wenn sie vom Regenwald nichts, aber auch gar nichts mehr wissen wollte. Dr. Juliane Diller hat aber genau das Gegenteil davon gemacht, denn sie hat den Regenwald zum Mittelpunkt ihres Lebens, zumindest ihres beruflichen Lebens gemacht.“ Diller studierte das Leben von Fledermäusen, machte ihren Doktor der Naturwissenschaften und ist heute stellvertretende Leiterin eines der wichtigsten biologischen Forschungseinrichtungen Deutschlands, der zoologischen Staatssammlung München. Zudem setzt sie sich seit vielen Jahren für den Schutz des tropischen Regenwaldes ein. Sie führt das Naturschutzprojekt ihrer Eltern fort und heute leitet sie die Regenwaldschutzstiftung „Panguana“.

Film mit Michael Mendl feiert Uraufführung

Bei der zweiten Günzburger Regenwaldnacht wird auch Schauspieler Michael Mendl wieder zu Wort kommen – in einem zweiten Dokumentarfilm nach „Mein Leben am seidenen Faden“, der an diesem Abend uraufgeführt wird. Der Film ist kein reines Wohlfühl-Programm. Bernhard Lohr erklärt: „Die Auseinandersetzung mit dem Regenwald ist unvollständig, wenn man sich nicht auch mit den traurigen Aspekten beschäftigt.“ Um die unterschiedlichen Gesichter der Regenwald-Zerstörung zu zeigen, hat sich Michael Mendl mit dem Filmemacher Jens Wolf und Bernhard Lohr auf den Weg nach Borneo gemacht, um nach Spuren des verschollenen Orang-Utans Weibchens Maja zu suchen. Auf dieser Expedition kommt es zu gefährlichen aber eindrücklichen Begegnungen mit Goldgräbern, mit Holzfällern und Wilderern und dabei ist der Film „The Final Cut“ entstanden. Der tropische Regenwald ist zwar weit weg, aber sein Verschwinden trifft uns auch hier in Europa, in Deutschland, in Bayern, sagt der Tropenökologe. Aus diesem Grund bekommt der Verein auch lokale Unterstützung bei seiner Veranstaltung, mit Musik von der Musikschule Günzburg und der Schirmherrschaft, die Oberbürgermeister Gerhard Jauernig übernommen hat. Auch der afrikanische Regenwald wird im Forum vertreten sein, denn Franz-Ludwig Keck aus dem Birkenried wird Skulpturen afrikanischer Künstler ausstellen.