Waldbrände bedrohen gerettete Tiere – Verheerende Feuer in Regenwald-Gebieten, die für gerettete Orang-Utans die letzte Zuflucht sind. Die Brände lassen die Erfolge der Regenwaldretter aus Günzburg auf einen Schlag zerbrechen.

Waldbrände bedrohen gerettete Tiere – Verheerende Feuer in Regenwald-Gebieten, die für gerettete Orang-Utans die letzte Zuflucht sind. Die Brände lassen die Erfolge der Regenwaldretter aus Günzburg auf einen Schlag zerbrechen.

 

Die Retter-Teams finden jeden Tag verstümmelte und schwerverletzte Orang-Utans im brennenden Regenwald. Die Feuer haben bereits 900.000 Hektar Wald in Borneo seit Beginn der Brandsaison 2026 zerstört. Fotos: Paulinus Christian (CAN-Borneo)

Von Sophia Pflugfelder  Günzburger ZeitungGünzburg/Borneo

Seit Monaten wüten schlimme Waldbrände im „Günzburger Regenwald“. Der ist zwar geografisch weit entfernt von der Großen Kreisstadt – doch die Umstände dort sorgen hier für großes Bangen um die rund 65 Hektar Günzburger Wald. Derzeit wüten auf Borneo die schlimmsten Waldbrände seit Jahrzehnten und bedrohen nun auch das Long-Sam-Regenwald-Gebiet. Dort hat der Günzburger Regenwald-Verein in den vergangenen Jahren ein Waldgebiet gekauft, um es vor Abholzung und Zerstörung zu bewahren.

Bernhard Lohr ist Vorsitzender von Faszination Regenwald e.V., promovierter Arzt und Biologe und war lange Zeit Kreistagsmitglied der Grünen im Landkreis Günzburg. Er verfolgt die Zustände und ist im Austausch mit seinen Kollegen vor Ort, die auch die Fotos bereitstellten. Lohr rettet gemeinsam mit deutschen Kollegen von fans for nature und indonesischen Partnern von Conservation Action Network seit vielen Jahren Orang-Utans. Die Ehrenamtlichen ziehen die Affen-Waisen in ihrem Rehabilitation-Center groß und wildern sie wieder aus in Wäldern, die der Verein kauft. So etwa auch im „Günzburger Regenwald“. Allein am Sonntag flogen Hubschrauber nach Angaben des indonesischen Forstministeriums mehr als zwei Dutzend Löscheinsätze über dem Nationalpark Tanjung Puting in der Provinz Zentralkalimantan. Dichter Rauch und schlechte Sicht behinderten die Löscharbeiten. Am Boden versuchen Ranger, Feuerwehrleute, Soldaten und Polizisten, die Flammen mit Wasser aus Flüssen und Brunnen einzudämmen. Indonesien erlebt nach anhaltender Trockenheit eine der schwersten Waldbrandsaisons seit Jahren.

*Dramatische Rettungsaktionen für Orang-Utans im Regenwald.*

Gleichzeitig sind Tierschützer im Einsatz, um möglichst viele Orang-Utans aus den betroffenen Gebieten zu retten. Zwischen August und Oktober seien allein im Westen von Kalimantan mehr als 50 Tiere aus gefährdeten Gebieten in Sicherheit gebracht worden, teilten lokale Naturschutzbehörden und die indonesische Organisation YIARI mit.

„Durch diese verheerenden Brände könnte nicht nur unsere Kraftanstrengung der letzten Jahre zunichtegemacht werden, sondern vor allem geht wertvoller Lebensraum verloren. Das betrifft auch die Tiere, die wir in den letzten Jahren in diesem Wald wieder ausgewildert haben, um ihnen eine zweite Chance zu ermöglichen“, sagt Kurt Schweizer, Mitglied im Vorstand des Vereins Faszination Regenwald e.V. „Statt weitere Regenwaldflächen zu erwerben, müssen wir nun Mittel aufwenden, um Ausrüstung für Brandbekämpfung zu finanzieren, damit unsere aufopferungsvoll kämpfenden Kollegen vor Ort nicht völlig hilflos den Flammen gegenüberstehen“, so Schweizer weiter.

Helmut Huber, Vorsitzender von fans for nature, dem Partnerverein von Faszination Regenwald, berichtet von furchtbaren Nachrichten und Bildern, die ihn vielfach täglich aus Borneo erreichen. „Verstümmelte und schwerstverletzte Orang-Utans, die Tag für Tag von unseren Rescue-Teams aufgegriffen werden, halbverbrannte Bären und viele weitere schrecklich zugerichtete Tiere, die wir in unseren Auffangstationen aufnehmen müssen. Das Traurigste ist, dass hinter jedem verletzten Tier eine unbekannte Zahl an verbrannten und getöteten Tieren steht.“

Auch wenn die Situation entsetzlich ist angesichts von über 900.000 Hektar zerstörten Waldes in Borneo seit Beginn der Brandsaison 2026, hilft Traurigkeit alleine nicht, erklärt Lohr. „Wir müssen das Möglichste von Deutschland aus unternehmen, um unsere Kollegen vor Ort in ihrem Kampf gegen die Brände zu unterstützen. Ohne Mittel zur Brandbekämpfung bzw. für die Rettungsmaßnahmen für die zahlreichen verletzten Tiere können auch unsere verzweifelt kämpfenden Kollegen in Borneo nichts ausrichten.“ (mit dpa, AZ)