Spiegel online: Uno-Bericht zur Landwirtschaft

Spiegel online: Uno-Bericht zur Landwirtschaft

Uno-Bericht zur Landwirtschaft
Fleischkonsum ist der grĂ¶ĂŸte Feind der Natur
Laut einem Uno-Bericht muss sich die Menschheit jetzt von ihrem immensen Fleischverzehr verabschieden, um den weltweiten Verlust an Tierarten und Ökosystemen zu stoppen. Demnach bleibt nur eine Alternative.
04.02.2021, 11.49 UhrIntensive RinderzĂŒchtung in SĂŒdamerika fĂŒhrt zum Abholzen von Regenwald und damit nicht nur zum Klimawandel, sondern auch zum Verlust von Tier- und Pflanzenarten.Intensive RinderzĂŒchtung in SĂŒdamerika fĂŒhrt zum Abholzen von Regenwald und damit nicht nur zum Klimawandel, sondern auch zum Verlust von Tier- und Pflanzenarten. Foto: Martin Harvey / Getty Images

Um es gleich vorwegzusagen: Ein Bio-Steak allein reicht nicht fĂŒr die Weltrettung. Jedenfalls nicht, wenn es tĂ€glich gegessen wird. Der Fleischkonsum ist laut einer aktuellen Studie der weltweit grĂ¶ĂŸte Naturzerstörer und dazu gehört auch Biofleisch. Nur mit mehr pflanzlicher ErnĂ€hrung kann der dramatische Verlust an BiodiversitĂ€t und ökologisch sensiblen LebensrĂ€umen aufgehalten werden, so ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht von Unep und der Denkfabrik Chatham House.
Die weltweite Fleischindustrie und intensive Landwirtschaft sei zum Haupttreiber dieser Naturzerstörung geworden. Nie sei der Verlust von LebensrĂ€umen und biologischer Vielfalt so dramatisch gewesen wie in den vergangenen 50 Jahren. Grund ist die Umwidmung natĂŒrlicher Ökosysteme fĂŒr die Futtermittelproduktion oder Weideland.
Problematisch ist vor allem die intensivere Landwirtschaft, die auf Pestizide und Monokulturen setzt. Damit wĂŒrden die Böden dauerhaft zerstört, was wiederum zu noch mehr Umwidmung von natĂŒrlichen LandflĂ€chen fĂŒhre. FĂŒr die Produktion von Fleisch wĂŒrden zudem große Mengen fossiler Energie, DĂŒnger und Wasser gebraucht. Befeuert werde das durch den Trend von immer mehr Billig-Lebensmitteln.
Die Leidtragenden seien dann Vögel, SÀugetiere, Insekten und mikrobielle Organismen, die ihren Lebensraum verlieren. Auch den Klimawandel heizt diese Art der Nahrungsmittelherstellung an. Rund 30 Prozent der von Menschen produzierten Treibhausgasemissionen stammten aus der Landwirtschaft.

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Bei der Fleischproduktion wurden bisher vor allem die negativen Effekte fĂŒr den Klimawandel diskutiert. Das Artensterben und kaputte Böden stehen dabei oft im Hintergrund. Bereits im Oktober vergangenen Jahres wies ein Bericht des Bundesamtes fĂŒr Naturschutz (BfN) darauf hin, dass auch in Deutschland knapp ein Drittel aller SĂ€ugetierarten gefĂ€hrdet sind. Schuld daran ist auch hierzulande die intensive Landwirtschaft.

Mehr GemĂŒse statt Steak und Chickenwings
Deshalb mĂŒsste mehr pflanzliche Kost gegessen werden, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Er rĂ€t auch dazu, LandflĂ€chen besser zu schĂŒtzen und die Landwirtschaft umweltfreundlicher zu machen. »Die intensive Haltung von Milliarden von Tieren weltweit fĂŒgt der Umwelt ernsthaften Schaden zu«, warnte die Primatenforscherin Jane Goodall.
Ohne ein Umsteuern werde sich der Verlust von BiodiversitĂ€t beschleunigen, warnen die Autoren des Berichtes. Bei weiterer Zerstörung der Ökosysteme sei letztendlich auch die ErnĂ€hrung der Bevölkerung in Gefahr.
Eine VerĂ€nderung der Essgewohnheiten hat aber noch einen anderen, entscheidenden Vorteil: In Zukunft könnte auch das Risiko von Pandemien sinken, wenn mehr LebensrĂ€ume und wilde Tiere unangetastet blieben. »Zu einer Zeit, in der ein großer Teil der Welt weiterhin gegen die Covid-19-Pandemie ankĂ€mpft, war es noch nie so offensichtlich, dass das Wohlbefinden von Menschen und Tieren, von wilden und Nutztieren, verflochten ist«, sagte Philip Lymbery, Chef der Organisation Compassion in World Farming.